Bambus als Werkstoff: Härte, Dichte und Kennwerte für Parkett, Dielen und Leisten

Bambus wird im Innenausbau wie ein Holzwerkstoff eingesetzt, ist botanisch aber ein Gras. Seine Eigenschaften hängen deshalb weniger von der Pflanze selbst ab als von der Verarbeitung: Lamellenbambus in Naturfarbe, karbonisierter (dampfbehandelter) Bambus und gepresster Strand Woven Bambus unterscheiden sich in Härte und Dichte deutlich. Diese Seite fasst die wichtigsten Kennwerte zusammen, ordnet sie gegenüber Eiche und Buche ein und zeigt, was sie für Parkett, Terrassendielen und Leisten bedeuten. Die hier genannten Richtwerte bilden zugleich die Grundlage der Materialdatenbank, auf die unsere Rechner zugreifen.

Kennwerte im Überblick

Die Tabelle zeigt typische Spannweiten, wie sie in Herstellerdatenblättern und in der Fachliteratur angegeben werden. Einzelne Produkte können je nach Pressdruck, Klebstoffanteil und Feuchte davon abweichen. Für eine konkrete Planung gilt immer das Datenblatt des jeweiligen Produkts.

Material Brinellhärte (HB, N/mm²) Rohdichte (kg/m³) Quellverhalten
Bambus natur (Lamelle) ca. 3,5 bis 4,5 ca. 650 bis 750 gering bis mittel
Bambus karbonisiert ca. 3,0 bis 3,8 ca. 600 bis 700 gering bis mittel
Bambus Strand Woven ca. 9 bis 12 und mehr ca. 1.000 bis 1.200 gering
Eiche ca. 3,4 bis 3,8 ca. 650 bis 760 mittel
Buche ca. 3,8 bis 4,1 ca. 690 bis 750 hoch

Brinellhärte

Die Härte von Bodenbelägen wird in Europa nach DIN EN 1534 bestimmt. Dabei wird eine Stahlkugel mit definierter Kraft in die Oberfläche gedrückt und der verbleibende Eindruck gemessen. Je höher der Wert, desto widerstandsfähiger ist die Oberfläche gegen Druckstellen durch Stuhlbeine, Absätze oder herabfallende Gegenstände.

Naturbambus liegt etwa auf dem Niveau von Eiche und Buche. Durch das Karbonisieren, also die Dampf- und Wärmebehandlung, die den typischen Karamellton erzeugt, verliert das Material etwas an Härte. Strand Woven Bambus entsteht dagegen aus Fasern, die unter hohem Druck mit Harz verpresst werden. Er erreicht dadurch Werte, die ein Mehrfaches von Eiche betragen.

Dichte

Die Rohdichte bestimmt Gewicht, Bearbeitbarkeit und Verhalten bei Feuchte. Lamellenbambus ist mit Eiche vergleichbar. Strand Woven liegt deutlich darüber und ist schwerer als Wasser, was beim Transport, bei der Befestigung und beim Bohren berücksichtigt werden sollte: Vorbohren ist hier praktisch immer erforderlich, und Werkzeuge verschleißen schneller.

Quell- und Schwindverhalten

Wie Holz nimmt Bambus Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Für Holzarten sind die differenziellen Quell- und Schwindmaße in DIN 68100 beschrieben. Buche gilt dort als stark arbeitend, Eiche als mäßig. Bambus verhält sich durch den Lagenaufbau und die Verklebung meist ruhiger als massive Buche, Strand Woven durch den Harzanteil nochmals stabiler. Konkrete Prozentwerte pro Prozent Holzfeuchteänderung geben die Hersteller in ihren Datenblättern an, sie schwanken je nach Produkt stark und sollten nicht pauschal übernommen werden.

Einordnung nach Einsatzbereich

Parkett

Für Wohnräume reichen die Härtewerte von Natur- und karbonisiertem Bambus in der Regel aus, sie entsprechen dem, was man von Eichenparkett kennt. Karbonisierter Bambus ist etwas weicher und eher für Schlafzimmer oder wenig beanspruchte Räume geeignet. In Fluren, Küchen oder gewerblich genutzten Flächen bietet Strand Woven deutliche Reserven. Mehrschichtparkett aus Bambus wird nach den Anforderungen von DIN EN 13489 bewertet, massive Ausführungen nach den Normen für Massivparkett.

Terrassendielen

Im Außenbereich kommt fast ausschließlich Strand Woven zum Einsatz, häufig zusätzlich thermisch behandelt. Hersteller weisen für solche Produkte teils eine hohe Dauerhaftigkeitsklasse nach DIN EN 350 aus, die Angabe sollte aber immer am konkreten Produkt geprüft werden. Wegen der hohen Dichte sind Unterkonstruktion, Befestigung und Dehnfugen nach Herstellervorgabe auszuführen. Lamellenbambus für Innenräume ist für draußen nicht geeignet.

Sockel- und Viertelleisten

Leisten werden mechanisch wenig beansprucht, hier zählen eher Farbabstimmung und Maßhaltigkeit. Sinnvoll ist, Leisten aus derselben Bambusvariante wie den Boden zu wählen, damit Farbton und Alterung zusammenpassen. Bei Strand Woven Leisten sollten Nagel- oder Schraublöcher vorgebohrt werden, um Abplatzungen zu vermeiden. Viertelstäbe eignen sich als Abschluss an Bestandssockeln oder an Übergängen, an denen keine neue Sockelleiste gesetzt wird.

Hinweise zur Nutzung der Werte

Alle Angaben auf dieser Seite sind Richtwerte zur Orientierung und Vorplanung. Messwerte hängen von Prüfnorm, Probenfeuchte und Produktaufbau ab, Herstellerangaben sind deshalb nicht immer direkt vergleichbar. Für Gewährleistung und Verlegung ist stets das technische Datenblatt des eingesetzten Produkts maßgeblich, ebenso die Verlegeanleitung des Herstellers.

Wer Bambus nicht als Boden, sondern als Oberfläche auf Trägerplatten einsetzt, findet die passenden Angaben zu Dicken und Gegenzug unter Bambusfurnier und Starkfurnier. Weitere Materialdaten und die zugehörigen Rechner sind über die Startseite erreichbar.

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