Bambusfurnier und Starkfurnier: Dicken, Bedarf und Gegenzug

Bambusfurnier verbindet die markante Optik von Bambus mit dem geringen Materialeinsatz klassischer Furniertechnik. Diese Seite erklärt, wie Bambusfurnier entsteht, worin es sich vom Starkfurnier unterscheidet und welche Werte Sie für den Furnierteil des Rechners benötigen: Dicke, Verschnittzuschlag, Leimauftrag und Gegenzug. Ein Rechenbeispiel für eine furnierte Schranktür zeigt den Ablauf Schritt für Schritt.

Herstellung und Optik von Bambusfurnier

Bambus ist ein Gras und wächst als hohler Halm. Ein Furnier lässt sich daher nicht wie bei Holz direkt vom Stamm schälen oder messern. Stattdessen werden die Halme in Streifen geschnitten, gehobelt, getrocknet und anschließend zu einem massiven Block verleimt. Von diesem Block wird das Furnier abgemessert. Häufig wird es zusätzlich auf ein dünnes Vlies oder eine Trägerlage kaschiert, damit es beim Transport und Verarbeiten nicht reißt.

Die Optik hängt von der Anordnung der Streifen im Block ab:

  • Horizontal (plain pressed): breite Lamellen, die typischen Knoten des Halms sind deutlich sichtbar.
  • Vertikal (side pressed): schmale, dicht stehende Linien, ruhigeres Bild.
  • Natur oder karamell: helle Naturfarbe oder durch Dampfbehandlung dunkler getönt. Die Wärmebehandlung verändert neben der Farbe meist auch leicht die Härte.

Wer die mechanischen Eigenschaften genauer vergleichen möchte, findet Härte, Dichte und weitere Kennwerte auf der Seite Bambus als Werkstoff.

Bambusfurnier oder Starkfurnier?

Als Furnier im engeren Sinn gelten dünne Deckblätter, die vor allem der Optik dienen. Bei Bambus liegen gängige Standardfurniere häufig im Bereich um 0,6 mm. Solche Furniere eignen sich für ebene Flächen wie Schranktüren, Korpusseiten oder Wandverkleidungen, verlangen aber einen sorgfältig vorbereiteten Untergrund, da sich Unebenheiten abzeichnen können.

Starkfurnier ist deutlich dicker, typischerweise ab etwa 1 mm und bei Bambus oft in mehrlagigen Ausführungen bis in den Bereich von 2 bis 3 mm. Es bietet mehr Reserve für Schleifgänge, lässt sich teilweise ohne Kaschierung verarbeiten und kaschiert kleine Untergrundfehler besser. Dafür ist es schwerer, teurer und weniger biegsam. Für stark beanspruchte Flächen wie Tischplatten oder Möbelfronten mit häufigem Kontakt ist Starkfurnier oft die robustere Wahl.

Die genauen Dicken unterscheiden sich je nach Hersteller. Tragen Sie im Rechner daher immer den Wert aus dem Datenblatt Ihres Lieferanten ein.

Bedarf berechnen: Verschnitt, Leim und Gegenzug

Verschnittzuschlag

Furnier wird nie exakt auf Fläche gekauft. Zuschnitt, Fugenbild und kleine Fehlstellen erzeugen Abfall. Als Orientierung gelten:

  • 10 bis 15 % bei einfachen, rechteckigen Flächen und durchgehendem Fugenbild,
  • 15 bis 25 % bei gestürzten oder gespiegelten Bildern, Mustern und vielen Einzelteilen.

Der Rechner multipliziert die Nettofläche mit diesem Zuschlag.

Leimauftrag

Für das Furnieren mit Weißleim (PVAc) oder Harnstoffharzleim wird in der Praxis meist ein Auftrag von etwa 100 bis 150 g/m² je verleimter Seite angesetzt. Zu wenig Leim führt zu Hohlstellen, zu viel Leim kann bei dünnem Furnier durchschlagen. Maßgeblich sind die Angaben des Leimherstellers. Aufgetragen wird in der Regel auf den Träger, nicht auf das Furnier.

Die Gegenzugregel

Furnier arbeitet bei Feuchtewechsel anders als die Trägerplatte. Wird nur eine Seite furniert, zieht sich die Platte einseitig zusammen und verzieht sich. Deshalb gilt: Jede furnierte Fläche braucht auf der Rückseite einen Gegenzug mit möglichst gleichem Schwundverhalten, also ein Furnier ähnlicher Dicke und Art. Der Gegenzug darf optisch einfacher sein, sollte aber nicht deutlich dünner ausfallen. Im Rechner wird die Fläche deshalb standardmäßig doppelt angesetzt.

Auch die Wahl des Trägers spielt mit hinein. Welche Plattenstärke für Türen, Korpusse und Böden sinnvoll ist, beschreibt die Seite zur passenden Stärke der Tischlerplatte.

Rechenbeispiel: furnierte Schranktür

Eine Schranktür misst 60 × 180 cm und soll beidseitig mit Bambusfurnier belegt werden. Das Fugenbild ist einfach, der Verschnittzuschlag wird mit 15 % angesetzt, der Leimauftrag mit 120 g/m².

  1. Fläche einer Seite: 0,60 m × 1,80 m = 1,08 m²
  2. Mit Gegenzug (zwei Seiten): 1,08 m² × 2 = 2,16 m²
  3. Mit Verschnitt: 2,16 m² × 1,15 = rund 2,48 m², also etwa 2,5 m² Furnier bestellen
  4. Leimbedarf: 2,16 m² × 0,12 kg/m² = rund 0,26 kg, mit kleiner Reserve etwa 0,3 kg
  5. Kanten: Umfang 2 × (0,60 m + 1,80 m) = 4,80 m, mit 10 % Zugabe rund 5,3 m Kantenmaterial

Bei mehreren Türen mit durchlaufendem Fugenbild lohnt es sich, die Flächen gemeinsam zu planen, da Furnierpakete aus einem Block farblich zusammenpassen. Den passenden Rechner und weitere Materialdaten finden Sie über die Startseite im Bereich Platten und Furnier.

Nach oben scrollen
ATC Stall- & Holzrechner
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.